Fotografie

Meine Nikon D5100 ist zwar nur ein Mittelklasse-Modell und schon ein wenig in die Jahre gekommen – für Motiv, Bildausschnitt und Nachbearbeitung bin aber immer noch ich ganz allein verantwortlich. Man kann auch mit einem High-End Modell schlechte Bilder machen … gut, dafür sind die mit dem 2000€-Objektiv immerhin um einiges schärfer.

Ich fotografiere gern Natur und Tiere. Aber am allerliebsten steige ich in alte, verlassene (Industrie-) Gebäude ein, den sogenannten »Lost Places«. Nostalgie pur, maroder Charme und immer der Gedanke: »Wie hat das wohl früher ausgesehen, als hier noch Leute gearbeitet haben?« Spannend finde ich auch, herauszufinden, welchen Zweck das Gebäude bzw. der Industriekomplex erfüllte.

Meine Bilder gibt’s in Farbe, Schwarz/Weiß und HDR.

HD-was?
Na: HDR! Noch nie gehört? Ok, ich erklär’s dir.

HDR bedeutet »High Dynamic Range«, also »hoher Dynamikumfang«. Das heißt, dass auch Bereiche wie Schatten und Lichter detailliert dargestellt werden können. Während bei normal ausbelichteten Bildern die Schatten meist zu dunkel sind oder Lichter zu grell erscheinen und somit viele Details und Strukturen verloren gehen, bietet das HDR-Verfahren die Möglichkeit, alle Bereiche gleich detailliert darzustellen. Vorallem bei Aufnahmen in Räumen kann man sehr viel aus dem Motiv herausholen.

Und wie funktioniert das jetzt?
Bei der Aufnahme ist eine Belichtungsreihe aus mindestens drei unterschiedlich belichteten Bildern notwendig, also das »normal« belichtete Bild, ein unterbelichtetes und ein überbelichtetes Bild des gleichen Motivs. Diese werden dann per Software zusammengefügt und nachbearbeitet (Stichwort »tonemapping«). Meiner Meinung nach ist das RAW-Datenformat hier zwingend erforderlich. Es sollten aber auch gute Ergebnisse mit komprimierten JPEG-Dateien erzielt werden können.

Ganz wichtig: Unbedingt ein Stativ benutzen! Jede Verwackelung macht das fertige Bild im nachhinein matschig und es entstehen sogenannte »Geisterbilder«, wenn die Einzelbelichtungen nicht äquivalent zueinander (also verschoben) sind. Blätter im Wind z. B. lassen sich meist nicht vermeiden, kleine Verwackelungen durch das Betätigen des Wahlrades der Belichtungszeit können gerade so noch durch die Software korrigiert werden, man büßt hier trotzdem ein wenig Schärfe ein.

Ich mache meist fünf Bilder pro Belichtungsreihe (zwei unterbelichtete, das normal belichtete Bild sowie zwei überbelichtete Bilder) und schaue später beim Import, ob ich alle fünf Bilder benötige oder ggfls. eins weglassen kann, wenn zwei Bilder in der Belichtung recht ähnlich sind.

Das Programm meiner Wahl ist hierbei Photomatix Pro, welches weitaus bessere Ergebnisse beim Tonemapping erzielt als das integrierte Photoshop-Plugin.

Das Spannende an HDR: Beim fotografieren weiß man NIE, was hinterher herauskommt. Vom enttäuschten Löschen ganzer Belichtungreihen bis zum »WOW, GEIL!« war bis jetzt alles dabei. Es wird also nie langweilig.

Die fertig getonemappten (was für ein Wort …) Bilder bearbeite ich später in Photoshop noch etwas nach (Kontrat, Farbe, Perspektivkorrekturen, Bildausschnitt, Schärfung, eine bestimmte Stimmung erzeugen etc. ).

Mir gefallen die Bilder trotzdem nicht.
Das Tonemapping bzw. HDR-Bilder sind Geschmackssache, viele empfinden diese als zu künstlich oder surreal. Es gilt hier auch immer die Devise: Weniger ist mehr. Viele übertreiben es, indem die Sättigung auf maximal gestellt und das Tonemapping zu stark eingesetzt wird. Das gefällt mir dann auch nicht, weil es extrem unnatürlich und künstlich aussieht. Einfach mal »HDR Bilder« bei Google eingeben, dann weißt du, was ich meine.

Ich versuche immer, die Details und Strukturen hervorzuheben und gerade den maroden Charme der Lost Places dadurch noch ein wenig mehr zu betonen, ohne dass es extrem künstlich und unnatürlich aussieht. Ein HDR in Schwarz/Weiß bekommt beim richtigen Motiv und der passenden Stimmung immer den Vorzug. Denn: Weniger ist mehr.

Belichtung HDR unterbelichtet
Belichtung HDR normal
Belichtung HDR überbelichtet
Belichtung HDR unterbelichtet
Belichtung HDR normal
Belichtung HDR überbelichtet
Die fertigen HDR-Bilder sehen dann so aus
HDR Bild zusammengefügt inkl. tonemapping
HDR Bild zusammengefügt inkl. tonemapping
HDR Bild zusammengefügt inkl. tonemapping
HDR Bild zusammengefügt inkl. tonemapping
Render-Time: 0.235715